Der Mensch lebt nicht vom Brot allein. Manche können kaum noch ohne Smartphone sein. Anders gesagt: «Die Digitalisierung hat auch im Food- und Beveragebereich Einzug gehalten», so Stephan Lendi, Sprecher der Gourmesse, die am Donnerstag in Zürich Oerlikon beginnt. Was Menschen essen, mit wem, wo und wie sie das tun – all dies wird heute vermehrt auch von digitaler Technologie beeinflusst. Die Gourmesse-Macher verleihen daher zum ersten Mal den Digital Food Award. An dem Wettbewerb beteiligen sich 21 Firmen, die die Fortsetzung der Kulinarik mit digitalen Mitteln betreiben.

 

 

Der digitale Bauer

 

Darunter ist auch ein digitaler Bauer: Stefan Brunner, dessen Hof bei Aarberg BE liegt, hat soeben die erste Saison seines Projekts Bionär hinter sich. Kunden können online bei ihm ein Stück Land mieten und bestimmen, was darauf angebaut wird. Brunner hält sie mit Fotos via Smartphone darüber auf dem Laufenden, wie ihr Gemüse gedeiht. Er pflanzt auf Wunsch auch ausgefallene Sorten an. Und er liefert der Kundschaft mit seinen Online-Botschaften Geschichten dazu, die sie dann beim Essen oder in Restaurants auf der womöglich auch digitalen Speisekarte weitererzählen können.

 

 

Die Gourmesse in Zürich

Das Angebot richtet sich an Köche und Privatpersonen, die spezielles Gemüse wünschen. Es soll den Konsumenten direkt mit dem regionalen Landwirt verbinden. Sobald das Gemüse reif ist, kann es der Kunde beim Bauern abholen – oder sich gegen einen Aufpreis liefern lassen.

 

In der ersten Saison gewann Brunner so 30 zahlende Kunden, darunter auch den Zürcher Starkoch Fabian Fuchs, der für eine Vorspeise acht verschiedene Gurkensorten brauchte. Profitabel ist das Geschäft laut Brunner noch nicht, doch er will es erweitern: Für nächstes Jahr ist er mit zwei Bauern in der Westschweiz und im Solothurnischen im Gespräch, die ebenfalls auf die Bionär-App zurückgreifen würden. Übernächstes Jahr will Brunner das Angebot weiter ausbauen: Ziel ist, dass Bauern aus der ganzen Schweiz daran beteiligt sind.

 

 

Der intelligente Kühlschrank

 

Szenenwechsel, vom digitalen Bauern aus Aarberg zum intelligenten Kühlschrank aus Zürich: Die Zürcher Firma Felfel beteiligt sich ebenfalls am Digital-Food-Wettbewerb. Ihr Angebot richtet sich an Firmen, die ihren Angestellten individuell täglich leckere, frische Nahrung zukommen lassen wollen. Als Vehikel dazu dient ein Kühlschrank, den sie mit einem Badge öffnen, um sich daraus zu nehmen, worauf sie gerade Lust haben. Über den Badge bezahlen sie auch gleich. Und: Der digitale Kühlschrank sammelt und übermittelt die Informationen, was wann gefragt ist. Produzenten in der ganzen Schweiz – laut Felfel ausschliesslich Familienbetriebe – bereiten daraufhin das jeweils gefragte Essen zu. Dieses wird dann von Logistikbetrieben, die sowieso die ganze Schweiz abfahren, an die Firmen geliefert, wie Felfel-Mitgründerin Daniela Steiner erklärt. «Wir möchten, dass niemand in der Schweiz bei der Arbeit sich mit mittelmässigem Essen abgeben muss», lautet das Credo der 2013 gegründeten Firma. Laut Felfel erhalten so bereits über 14 000 Menschen Frühstück, Mittag- und Abendessen an den Arbeitsplatz geliefert.

 

Und dann gäbe es da noch eine Start-Up-Firma namens Respondelligent aus Gersau LU, die auch am Digital-Food-Wettbewerb mitmacht. Ihr Angebot an Wirte: Sie sammelt Kommentare zu deren jeweiligem Restaurant aus Internet-Kanälen wie Trip Advisor und Google und stellt sie dem Beizer auf einen Mausklick zusammen. Gegen einen Aufpreis kann er die Online-Kommentare von Respondelligent auch gleich beantworten lassen – und damit neue Kunden ansprechen sowie die Platzierung des Restaurants bei Google-Abfragen verbessern.

 

 

Essen hat mit Empathie zu tun

 

Die Aufzählung von Firmen, die mit der Digitalisierung des Essens geschäften, liesse sich noch lange fortsetzen. Doch irgendwo hat es auch Grenzen. Stefan Pabst, Jury-Mitglied des Digital Food Awards und Referent an der Gourmesse, sagt in einem Interview mit der Zeitschrift «Salz und Pfeffer», wo diese liegen: «Essen hat mit Empathie, mit sozialem Erleben zu tun. Überall dort, wo der Mensch einen Unterschied macht, beim Kreieren von neuen Rezepten oder beim Abschmecken einer Sauce, ist es unwahrscheinlich, dass er durch eine Maschine ersetzt wird.» Ähnliches gelte für die Bedienung: «Serviceroboter werden höchstens in grossen Kantinen Realität», so der Philosoph weiter.

 

Artikel von Matthias Scharrer in der Limmattaler Zeitung 09/2017